Donnerstag, 29. Oktober 2009

Blocher macht Werbung fuer Wanderferien in Nordkorea

Wie jeden Morgen mache ich eine kurze online Presseschau: NZZ, Tagesanzeiger, SF-DRS, Spiegel...natuerlich immer multi-funktional mit dem TV-Stream, der im Hintergrund ueber die Sportresultate informiert und parallel die Infographiken in den anderen Fenstern. Ich scanne nochmal den Tagi und ich glaube erst zu traeumen, aber es steht schwarz auf weiss in der Zeitung: CHRISTOPH BLOCHER, der beruechtigste, zugleich meist gehasste und geliebte Alt-Bundesrate/Vizepraesident der SVP/Industriemogul war zum WANDERN IN NORDKOREA. Fuer 14 Tage.

Im Tagi laesst er sich zu seinem Trip interviewen. Anscheinend ist er mit einer Gruppe von Deutschschweizern nach Nordkorea gereist und hat dort die Vorzuege der stalinistischen Tourismus-Destination genossen. Er waere nicht Christoph Blocher, wenn er seine Erfahrungen nicht auch noch im eigenen Online-Fernsehformat preisgeben wuerde. 34 Minuten Aussenpolitische Analyse a la Blocher.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Korea im Schweizer Parlament

Die Beziehungen zu Korea sind nicht gerade ein Topthema in der Schweizer Politik, und so verwundert es auch nicht, dass im Amtlichen Bulletin des Schweizer Parlaments nicht viele Eintraege zu Korea zu finden sind. Ein paar Anfragen zwecks Kriegsmaterialexporten und Staatsbesuche von Koreanischen Regierungsmitgliedern dominieren die Liste.
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Eine lustige Anekdote bietet jedoch eine Frage von Nationalrat Schluer an den Bundesrat, in der sich der Rechtsaussenpolitiker darueber empoerte, dass die Schweizer Botschaft 2005 den Nationalfeiertag nicht am 1. August, sondern erst Ende September gefeiert hat.
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"Frau Bundesrätin, ich danke Ihnen für diese Antwort. Es besteht immerhin eine erhebliche zeitliche Entfernung zwischen dem 1. August und dem 30. September - deshalb jetzt meine Zusatzfrage: Ist Ihnen ein Fall bekannt, wonach ein französischer Diplomat einmal den "14 juillet" am Ostermontag oder ein amerikanischer Diplomat den "4th of July" am Stephanstag gefeiert hätte? Oder ist es nur bei schweizerischen Botschaftern so, dass sich die Nationalfeiertage nach den Freizeitkalendern der Funktionäre zu richten haben? "
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Lustigerweise war ich 2005 auf der Botschaft in Seoul stationiert. Tatsaechlich hat sich damals auch ein Schweizer darueber beim Botschaftspersonal foermlich beschwert und forderte eine Stellungsnahme des damaligen Botschafters. Diese war ihm anscheinend nicht gut genug und es scheint, als habe er angesichts der grossen Brisanz dieser Staatsaphaere dem Vorbilder aller Patrioten Ulrich Schluer sein Leid geklagt, der sich natuerlich umgehend dieser heiklen Sache widmete.

Vielleicht sollten sich manche SVP Waehler mal im amtlichen Bulletin schlau machen, mit was fuer belanglosen Fragen und Motionen ihre gewaehlten Parlamentsmitglieder so die Zeit verschwenden.

Vollstaendigkeitshalber noch die Replik der Aussenministerin (einleitend in Deutsch und dann der Uebergang ins Franzoesische...was bei Calmy-Rey immer dann der Fall ist, wenn sie sich ueber jemand/etwas enerviert)

"Herr Schlüer, ich kenne die Agenda der Franzosen oder der anderen Aussenvertretungen nicht. Aber Ihre Frage lautet: "Pourquoi notre représentation à Séoul a-t-elle choisi finalement le 30 septembre pour organiser la réception de la fête nationale?" Je dois vous dire que la délégation suisse auprès de la Neutral Nations Supervisory Commission à Panmunjom organise traditionnellement une réception le 1er août. Notre représentation à Séoul invite donc à une date ultérieure, pour ne pas faire de concurrence à la délégation à Panmunjom. En juillet et en août - ce sont les explications qu'on m'a données -, il fait très chaud à Séoul et c'est le moment où la plupart des gens prennent leurs vacances. Il est donc plus judicieux d'organiser la réception de la fête nationale à une date ultérieure quand tout le monde est revenu de vacances. Voilà, Monsieur Schlüer, je crois que j'ai répondu à votre question"
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Und, ja ich verschwende meine kostbare Zeit momentan mit dem Durchforsten von amtlichen Bulletins und dergleichen, denn ich nutze momentan jede Gelegenheit mich von dem abzuwenden, was meine Nerven momentan am meisten strapaziert: DA.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Koreanistik Vorlesung an der Uni Zuerich

Koreanistik-Vorlesungen, geschweige denn einen eigentlichen universitaeren Lehrgang der Koreakunde gibt es in der Schweiz so viele wie Kimchi als Beilage im Schweizerhof Hotel..naemlich so gut wie gar keine. Asian Studies kann man in Genf studieren, Ostasiatische Kultur/Sprache (Japanologie, Sinologie) an der Uni Zuerich. Letztere Hochschule hat jetzt aber seit diesem Semester immerhin eine Vorlesung im Program zum Thema: Koreanische Kultur und Geschichte, und zwar gelehrt von einer akademisch ueberaus bekannten Prof. Dr. Martina Deuchler.
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"Die Vorlesungen im Winter- und Sommersemester 2009-10 sollen umfassend in die vormoderne und moderne Geschichte und Kultur Koreas einführen und dabei die Bedeutung der Halbinsel im politischen und kulturellen Spannungsfeld zwischen China und Japan aufzeigen. "
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Gemaess dieser Pressemitteilung auf der Website der Uni ZH koennte das Ganze gar noch ausgebaut werden zu einem eigentlichen Koreanistik Studiengang. Eine Professorin aus Bochum soll schon fuer das naechste Semester vorgesehen sein. (Deutsche Professorin und die Schweiz..tja...)

Seoul - Je voulais seulement te dire que je t'aime


Montag, 12. Oktober 2009

Swiss Festival 2009 - Schweiz Koreanische Beziehungen

Nun ja, gomdorinuri ist mir zuvorgekommen, aber es ist ja selten genug, dass die Schweiz von Deutschen gelobt wird...

Den Eintrag habe ich eigentlich schon laenger geplant, aber aus 'Diplomarbeits-Schlussspurt-technischen Gruenden" hat sich das Ganze verzoegert.
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Vom 9.-13. Oktober findet das Swissfestival statt. Ein Event organisiert von der Schweizer Botschaft und Swiss Tourism. Rahmenveranstaltungen bilden traditionelle Musikvorstellungen, aber auch Jazzkonzerte mit Schweizer und Koreanischen Musikern und Kunstausstellungen. Abgerundet wird das ganze mit Kaese und Schokoladendegustationen. Am Samstag war zudem die Wirtschaftsministerin Doris Leuthard zu Gast, kommt nicht oft vor, dass sich ein Mitglied des Bundesrats nach Korea verirrt. Letztmals war es die Ausseministerin Michelin Calmy-Rey, die sich im Grenzgebiet inszenierte, wie man das von ihr gewohnt ist.
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Die enge Beziehung, die ich zur Schweizer Botschaft pflege, hat sich zwar auf Grund der ueblichen Jobrotationen der Diplomaten einbisschen verlaufen, aber es sind immer noch ein paar Leute dabei aus meiner Praktikumszeit vor 5 Jahren. Ein Besuch lohnt sich auf jedenfall.
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Standort: Raemian Gallery in Unni-dong. (Anguk-Station/Insadong) Alle Informationen gibt es hier. (PDF)
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Die Schweizer Community ist klein in Korea. Vor ein paar Jahren waren es ca. 180 Leute (inkl. Doppelbuerger) in ganz Korea. Der Grossteil davon sind Expats von Schweizer Unternehmen. Der Swiss-Korean Business Council trifft sich monatlich zum Austausch und Special-Lectures. Wer Kontakte knuepfen will, ist hier sicher am richtigen Platz. Wer sich fuer Praktika interessiert, sollte sich die Liste der Unternehmungen anschauen (siehe SKBC Website). Die grossen Schweizer Unternehmen sind lokal praesent, aber in unterschiedlicher Groesse. Roche und Novartis gehoeren lokal zu den Leadern, auch UBS (JV mit Hana Bank) ist vertreten und Industrieunternehmen wie ABB und Oerlikon.
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Die Schweiz-Koreanischen Beziehungen sind sehr gut. Der Erfolg von Swiss Tourism ist zugleich aber auch eine Buerde fuer den Wirtschaftsstandort Schweiz. Mann nimmt die Schweiz oft nur als Ferienziel (Interlaken, Jungfrau etc) war, und zuwenig als attraktive Lokalitaet fuer asiatische Unternehmungen. Ich sehe hier vorallem Potential im Hochtechnologiesektor und langfristig wohl auch im Service-Sektor. Die grossen koreanischen Unternehmungen werden aber als Europastandort in erster Linie Deutschland, Frankreich oder England waehlen, nicht zuletzt wegen den dort ansaessigen Clustern (Autozulieferung/Kosmetik/Finance).
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Bezueglich Gueterausstausch hat das EFTA-Korea FTA sicherlich zu intensiverem Austausch beigetragen. In Sachen R&D (v.a. Nanotech) haben ETHZ/EPFL und KAIST einen Kooperationsvertrag abgeschlossen, der auch den Austausch von Studenten/Professoren beinhaltet. Und schliesslich bin auch ich indirekt ein Ergebnis des EFTA-Korea FTAs... Nicht zu vergessen ist auch der sicherheitspolitische Beitrag, den die Schweiz zum Nordkoreakonflikt macht. Man nimmt nicht nur eine Vermittlerrolle war, sondern hat (was wohl den meisten Schweizern so nicht bekannt ist) auch Offiziere an der innerkoranischen Grenze in Panmunjeom im Rahmen der Neutral Nations Supervisory Commission (NNSC). Es war eines der eindruecklichsten Erlebnisse in Korea, die ich bisher hatte als ich die Schweizer Truppen dort besuchen konnte.
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Wie es begzueglich der Koreanischen Community in der Schweiz aussieht ,bin ich mir nicht sicher. Koreanische Schulen gibt es in Zuerich, St. Gallen und Genf soweit ich weiss. Interlaken hat einige koreanische Unterkuenfte (Minbaks etc) und Restaurants. Die Federation of Korean Associations in Switzerland organisiert regelmaessig Anlaesse fuer Auslandskoreaner. Dongari ist ein Verein, der sich um die Interessen von Koreanischen Adoptierte in der Schweiz kuemmert. Wie ich Koreaner kenne, gibt es wohl auch noch koreanische Kirchen, ist mir aber keine namentlich bekannt.
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bon bref, die CH-ROK Beziehungen sind sehr gut, aber gerade in wirtschaftlicher Hinsicht ist noch viel Potential.

Sonntag, 11. Oktober 2009